Bach oder Fluss?

Die Lausitzer Neiße in Görlitz

Im Buch Das schaurige Haus stellt sich Hendrik die Frage, wann man ein Gewässer (genauer: Fließgewässer) als Bach und wann als Fluss bezeichnet. Weil er es nicht weiß, nennt er das Gewässer hinter seinem Haus in einem Abschnitt fünf Mal hintereinander “Bach oder Fluss”.

Bei einer Lesung, fragte kürzlich ein Schüler, warum an dieser Stelle so oft “Bach oder Fluss” stehe. Ich sagte, weil weder Hendrik noch ich wüssten, ob man so ein Gewässer als Bach oder Fluss bezeichne. Da sagte der Schüler, er wisse die Antwort. Sei ein Gewässer tiefer als 1m, werde es als Fluss bezeichnet.

Der Junge, ein Angler übrigens, war der erste, der diese Frage gestellt und noch dazu beantwortet hat. Auch ich habe nachgelesen. Im Netz waren die Antworten nicht ganz so klar wie die des Jungen.

Bei Wikipedia wird bei den “natürlichen Fließgewässern” ausgehend von der Breite zwischen Rinnsal (<1m), Bach (1-3m) und kleiner Fluss (-10m) unterschieden. Ab 10m spricht man von einem Fluss. Ein Strom ist ein Gewässer, das im Meer mündet.

Bei anderen Quellen wie Wasserforscher ist ein Bach 0,5-2m breit und 0,1-0,5m tief, ein Fluss bis 10m breit und 0,5-1m tief.

Die Nidda in Bad Vilbel

Auf planet-wissen.de wird ein Fließgewässer in “Entwicklungsstufen” eingeteilt. Nach einer Quelle vereinigen sich verschiedene Quellrinnsale zu einem Bach. Ein Bach hat eine noch sehr hohe Fließgeschwindigkeit und scharfkantige Steine. Er ist das ganze Jahr über gleichbleibend kühl (ca. 10°C). Im Bach leben schnelle Fische wie Forellen oder Elritzen. Später, wenn die Fließgeschwindigkeit weiter abnimmt und das Bett wird breiter wird, wird ein Bach zum Fluss. Es entstehen Flussarme, Inseln und Auenlandschaften. Im Unterlauf nimmt die Fließgeschwindigkeit noch weiter ab, das Wasser wird trüb, weil es viele Schwebstoffe enthält.

Der Horlachbach (Stuibenfall) bei Umhausen

Die Wutach bei Stühlingen

Der Lech in Augsburg

Die Chemnitz in Chemnitz

Der Ruderatsbach bei Leuterschach

Die Loire bei Orléans

Die Moldau in Cesky Krumlov

Der Mincio in Borghetto

Die Ötztaler Ache bei Umhausen

Die Brigach in Donaueschingen

Die Geltnach bei Bertoldshofen

Andere schlagen vor, ein Fließgewässer sei solange als Bach zu bezeichnen, solange sich die Baumkronen an den gegenüberliegenden Seiten berühren. Ein Gewässer könnte auch ab dann  Fluss genannt werden, wenn es zumindest in Teilabschnitten schiffbar sei oder  sei von der Stelle ein Fluss, an der sich zwei Hauptbäche vereinigen. Wann ist aber ein Bach ein Hauptbach?

Die Seite Wasserforscher.de nennt auch die Abflussmenge als Kriterium: Ein Bach transportiert 10-100L/s, ein Fluss 100-5000L/s. Ab dann wird von einem großen Fluss oder Strom gesprochen.

Die Wertach bei Kaltenbrunn

Die Oder bei Schwedt

Die Vils in Vilsbiburg

Die Lobach in Leuterschach